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Der Buddhismus geht auf den um 350 vor Christus lebenden Siddharta Gautama zurĂŒck, der nach seiner Erleuchtung als Buddha bekannt wurde. Mit zwischen 400 und 500 Millionen AnhĂ€ngern ist der Buddhismus eine der grössten Religionen der Welt und vor allem in Asien weit verbreitet. Allerdings gewinnt er auch im Westen immer mehr AnhĂ€nger und Sympathisanten. Dies vor allem, weil er als Religion des Friedens und der Vernunft gilt. BuddhaDer Prinz Siddharta Gautama wurde Mitte des 4. Jahrhunderts vor Christus in Lumbini, im heutigen Nepal, geboren. Schon bald realisierte er, dass Reichtum und Wohlstand keine Garantie zum GlĂŒcklichsein sind, da Leid, Schmerz und Tod untrennbar mit dem Leben verbunden sind. So wandte er sich vom Leben am FĂŒrstenhof ab, um einen Ausweg aus dem Leid, mit dem das Leben untrennbar verbunden ist, zu finden. Im Gegensatz zu seinem bisherigen luxuriösen Leben begann er eine streng asketische Praxis. Nach sechs Jahren der Askese gab er das entbehrliche Leben auf und begann das GlĂŒck auf dem Mittleren Weg der Meditation, zwischen Luxus und Selbstkasteiung, zu suchen. Dabei erlangte er unter einem Baum bei Bodhgaya, Indien, die Erleuchtung (bodhi). Bis zu seinem Tod mit 80 Jahren wanderte er durch Nordindien und widmete sich der Weitergabe seiner Lehre. Zu deren Bewahrung grĂŒndete er einen Mönchsorden, in dem die Mönche ihr Leben ausschliesslich seiner Lehre widmen können. Zugleich geben die Mönche den Laien eine Gelegenheit gutes Karma anzusammeln, indem sie den Orden unterstĂŒtzen und ernĂ€hren. SpĂ€ter grĂŒndete der Buddha auch einen Nonnenorden, dessen Ordinierungstradition aber ausstarb. Buddhas Lehre, Dharma (Pali: dhamma), enthĂ€lt hauptsĂ€chlich die Essenz seiner eigenen Erfahrungen. Da diese Lehre nicht auf göttlicher Offenbahrung beruht, sondern durch eigene Meditation und Innenschau erkannt wurde, warnt der Buddha vor einer blinden Befolgung der Lehre. Er betont vielmehr die Eigenverantwortung und SelbstĂ€ndigkeit des Einzelnen, der aus seiner individuellen Erfahrungen lernen soll. Die Essenz des Dharma ist festgehalten in den Vier Edlen Wahrheiten ĂŒber die Natur des Leidens und im Achtfachen Pfad, dessen Befolgung zur Aufhebung des Leidens fĂŒhrt. Begeht man diesen Achtfachen Pfad, so verpflichtet man sich, sein Leben nach acht Prinzipen, wie der Rechten Rede, dem Rechten Lebenswandel oder der Rechten Achtsamkeit, auszurichten. VerbreitungSchon bald nach dem Tod des Buddhas traten seine SchĂŒler zum ersten buddhistischen Konzil zusammen, um die rechte Lehre festzulegen. So kam es schon im 1. Jahrhundert vor Christus zur Bildung eines Kanons von Schriften. Diese Pali Kanon genannte Schriftsammlung ist die Ă€lteste Zusammenstellung buddhistischer Schriften und besteht aus drei Sammlungen (wörtlich: Körben): dem Suttapitaka (Korb der Lehrreden des Buddha), dem Vinayapitaka (Korb der Ordensregeln) und dem Abhidhammapitaka (Korb der philosophischen Abhandlungen). In den folgenden Jahrhunderten breitete sich der Buddhismus in ganz Indien, Nepal, Buthan und SĂŒd- und Ostasien aus. Bereits im 1. Jahrhundert vor Christus war er in Zentralasien, Afghanistan und Sri Lanka verbreitet. Bald danach gelangte er ĂŒber den Himalaya nach China, Korea und im 6. Jahrhundert nach Japan. Von Sri Lanka aus gelangte der Buddhismus zwischen dem 2. und 10. Jahrhundert auf dem Seeweg nach Indonesien, Thailand, Myanmar, Vietnam, Laos und Kambodscha. Im 10. Jahrhundert fasste der Buddhismus dann definitiv in Tibet Fuss. In vielen dieser LĂ€nder wurde der Buddhismus zeitweise zur Staatsreligion. Die Verbreitung des Buddhismus verlief nicht nur friedlich: So wurde beispielsweise das Gebiet der heutigen Mongolei von den Tibetern gewaltsam zum Buddhismus bekehrt. Die Schamanen wurden getötet oder gewaltsam an der AusĂŒbung ihrer Praktiken gehindert und die Menschen mit finanziellen Anreizen und Geschenken zur Konversion gedrĂ€ngt. Da der Buddhismus als Lehre ausdrĂŒcklich in Zweifel gezogen werden darf und es keine festgelegten GlaubenssĂ€tze gibt, hat sich der Buddhismus oftmals mit den in den jeweiligen LĂ€ndern ursprĂŒnglichen Religionen vermischt. So bildeten sich eine Vielzahl an unterschiedlichen Praktiken und Strömungen heraus. SchulenInnerhalb des Buddhismus gibt es verschiedene AusprĂ€gungen, die in den unterschiedlichen LĂ€ndern ihre Verbreitung fanden. Die Tradition des Theravada bezieht sich in ihrer Praxis und Lehre ausschliesslich auf den Pali Kanon. Es wird sehr viel Wert auf die Befreiung des Individuums aus dem ewigen Kreislauf (Arhat-Ideal) und auf den Mönchsorden gelegt. Diese Tradition ist in den LĂ€ndern SĂŒdostasiens, wie Sri Lanka, Vietnam, Thailand, Laos und Kambodscha verbreitet. Der Mahayana Buddhismus erkennt neben dem Pali Kanon auch eine Reihe von Sanskritschriften als verbindlich an. Die bedeutendsten sind das Herz-Sutra, das Diamant-Sutra und das Lotus-Sutra. Im Gegensatz zum Theravada geht es im Mahayana nicht um die individuelle Erleuchtung, sondern um das Ideal des Bodhisattva. Ein Bodhisattva erlangt zwar die Erleuchtung, er bleibt aber im Kreislauf der Wiedergeburten und hilft allen anderen Lebewesen, bis auch diese zur Erleuchtung gelangt sind. Der tibetische Buddhismus (Vajrayana) wird allgemein als eine Variante des Mahayana betrachtet, da auch hier das Bodhisattva-Ideal stark betont wird. Im Vajrayana wird aber zusĂ€tzlich grosses Gewicht auf die persönliche Bindung an einen Guru (Lama) gelegt. Dieser persönliche Meister weiht einen in die oft geheimen Praktiken ein, die helfen sollen, den Weg aus dem Geburtenkreislauf noch in diesem Leben zu erlangen. Dies sind die theoretischen HintergrĂŒnde der verschiedenen Schulen. Tatsache ist jedoch, dass diese ZusammenhĂ€nge fast nur den Mönchen und Gelehrten bekannt sind. Laien kennen diese Konzepte kaum und sind selten an Erleuchtung oder Meditation interessiert, sondern oftmals einfach an der Abwendung von Krankheit und der Ansammlung von gutem Karma, das eine bessere Wiedergeburt verspricht. WeltbildDer Buddhismus beschĂ€ftigt sich nicht mit Fragen nach dem Anfang oder dem Ende der Welt. Relevant ist nur, was das konkrete Leben der Menschen betrifft. So lĂ€sst der Buddhismus viele Sinnfragen, wie sie andere Religionen zu beantworten suchen, offen. Aus diesem Grund sprechen viele Leute vom Buddhismus als einer Philosophie. Doch spielt im Buddhismus das aus dem Hinduismus ĂŒbernommene Konzept des Karma eine grosse Rolle. Mittels guter oder schlechter Taten wird Karma angehĂ€uft, das wiederum die nĂ€chste Wiedergeburt im ewigen Kreislauf von Werden und Vergehen (samsara) bestimmt. Das eigentliche Ziel des Buddhisten ist es, kein Karma mehr anzuhĂ€ufen und sich so aus dem Geburtenkreislauf zu befreien. Karma wird nĂ€mlich nur erzeugt, wenn der Mensch an seiner Tat anhaftet, sich von seiner Tat etwas verspricht und einen Zweck verfolgt. Jeder Gedanke und jedes GefĂŒhl, ob gut oder schlecht, erzeugt Karma.Â
Nachdem ein Lebewesen stirbt, zerfĂ€llt es wieder in seine Bestandteile, d.h. seine fĂŒnf Aneignungsgruppen (skandhas): Körper, Empfindungen, Wahrnehmungen, Geistesregungen und das Bewusstsein. Es gibt im Buddhismus also keine Seele, kein Selbst, sondern der Mensch ist Nicht-Selbst (anatman). Eine weitere Geburt findet statt, aufgrund des Karmas, das vorhanden ist. Dieses zieht die FĂŒnf Aneignungsgruppen an und es kommt wieder zur Bildung eines Lebewesens und dessen Geburt. Sinnbildlich ist es wie die Flamme einer Kerze, mit der eine zweite Kerze angezĂŒndet wird. Die Flamme ist nicht dieselbe, aber ohne die erste Flamme wĂŒrde es die folgende nicht geben. So bedingt das Anhaften das Entstehen von Karma, das Karma wiederum bedingt eine Wiedergeburt und so weiter. Das ist die Lehre der gegenseitigen Bestimmtheit aller PhĂ€nomene. Dieses bedingte Entstehen ist ein wichtiges Konzept des Buddhismus. Nur wenn der Mensch all seine Anhaftung an die Welt und sein sinnliches Begehren aufgibt, worauf die Lehre des Buddha vom Achtfachen Pfad abzielt, ist es möglich zu handeln, ohne Karma anzuhĂ€ufen. Hat man diesen Zustand erreicht, nennt man dies Erleuchtung. Nach der Erleuchtung steht einem der Eingang ins Nirvana, dem Zustand ausserhalb des ewigen Geburtenkreislaufs, offen. Das Nirvana ist entgegen westlicher Vorstellungen kein Himmel und keine Art von Weiterleben, sondern ein Abschluss jeglichen Lebens, es ist eine Zustandslosigkeit. Der Buddhismus wird in der Schweiz recht stark wahrgenommen, obwohl die eidgenössische VolkszĂ€hlung 2000 nur ca. 21'000 Buddhistinnen und Buddhisten (0,3% der Bevölkerung) ermittelte, der Sympathisantenkreis ist jedoch wesentlich grösser. Von den erfassten Buddhisten sind etwa 70% auslĂ€ndischer Herkunft. Neben den Zentren der zugewanderten Buddhisten gibt es zahlreiche Gruppen westlicher Konvertiten oder Interessenten. Sie weisen eine sehr grosse innerbuddhistische PluralitĂ€t auf, d.h. es existieren viele unterschiedliche Schulen und Strömungen und eine Vielfalt an asiatisch-buddhistischen Zentren, die von den jeweiligen UrsprungslĂ€ndern geprĂ€gt sind.
Der Buddhismus kam bereits im 19. Jahrhundert in die Schweiz. Damals begannen sich Reisende und Gelehrte mit den indischen Lehren auseinanderzusetzen. Dies geschah meist durch das Studium und die Ăbersetzung von alten Schriften. Die Inhalte dieser Schriften fĂŒhrten zu Idealisierungen des Buddhismus, als dogmenlose, nichtmissionierende, friedliebende Religion, die ausschliesslich auf Vernunft beruhe. Insbesondere Tibet galt als reines, spirituelles Königreich. Diese Idealisierungen leben zum Teil bis heute fort. Den konkreten Beginn des Buddhismus in der Schweiz markiert aber der Aufenthalt des Mönchs Nyanatiloka bei Lugano im Jahre 1910. Dieser Deutsche, der sich in Myanmar in die Theravada-Tradition hatte einweihen lassen, liess sich spĂ€ter in der NĂ€he von Lausanne nieder, wo er lehrte und selbst Mönche ordinierte. Die wissenschaftliche BeschĂ€ftigung mit dem Buddhismus blĂŒhte weiter, doch erst 1942 bildete sich, mit der Buddhistischen Gemeinschaft ZĂŒrich, die erste buddhistische Organisation der Schweiz.
In den frĂŒhen Sechziger Jahren nahm die Schweiz ĂŒber 1'000 tibetische FlĂŒchtlinge auf, was die Religionslandschaft der Schweiz weiter prĂ€gen sollte. Im Jahre 1968 wurde auf Initiative des 14. Dalai Lama ein tibetisch buddhistisches Kloster und Institut in Rikon (ZH) gebaut, um die FlĂŒchtlinge religiös und kulturell zu betreuen. Seit den Siebziger Jahren reisen asiatische Mönche vermehrt durch Europa und grĂŒndeten auch in der Schweiz zahlreiche Zentren. Buddhismus-Praktiken wie Zen oder Vipassana-Meditation breiteten sich zunehmend aus. Eines der prominentesten HĂ€user dafĂŒr ist das im Jahre 2000 gegrĂŒndete Meditationszentrum Beatenberg. Auch die hier ansĂ€ssigen asiatischen Buddhisten grĂŒnden immer mehr eigene Zentren, wie zum Beispiel das thailĂ€ndische Kloster Srinagarindravararam in Gretzenbach (SO). Nach wie vor mischen sich westliche AnhĂ€nger und asiatische Buddhisten kaum. Zu verschieden sind die ZugĂ€nge zur Praxis. WĂ€hrend bei den einen die gelebte Kultur und das Familien- und Gemeinschaftserleben im Vordergrund steht, ist fĂŒr die anderen die individuelle Meditationspraxis zentral.
Viele der buddhistischen Gruppen, Zentren und HĂ€user gehören der 1975 gegrĂŒndeten Schweizerischen Buddhistischen Union (SBU) an, die ĂŒber 100 Gruppierungen auflistet. Genaue Zahlen fĂŒr den Buddhismus in der Schweiz zu nennen, ist aber sehr schwer, da die Mitgliedschaft in vielen Zentren und Meditationszirkeln keine formelle Konversion erfordert. Um Buddhist oder Buddhistin zu werden genĂŒgt die Dreifache Zufluchtnahme, das heisst das dreimalige Aussprechen der Formel: Ich nehme meine Zuflucht zum Buddha, ich nehme meine Zuflucht zum Dharma (der Lehre Buddhas), ich nehme meine Zuflucht zum Sangha (der Gemeinschaft Buddhas). Die meisten AnhĂ€nger bleiben offiziell Mitglieder in ihrer angestammten Tradition, meist der christlichen Landeskirche. Baumann, Martin. Geschichte und Gegenwart des Buddhismus in der Schweiz. In: Zeitschrift fĂŒr Missionswissenschaft und Religionswissenschaft 82, 4. 1998. S. 255-280.
Baumann, Martin, Jörg Stolz (Hg.). Eine Schweiz - viele Religionen. Risiken und Chancen des Zusammenlebens. transcript. 2007. Bechert, Heinz; Richard Gombrich (Hg.). Der Buddhismus. Geschichte und Gegenwart. C.H. Beck. 2002.
Keown, Damien. Der Buddhismus. Eine kurze EinfĂŒhrung. Reclam. 2001.
Schlieter, Jens. Buddhismus zur EinfĂŒhrung. Junius. 1997.
Zotz, Volker. Auf den glĂŒckseligen Inseln. Buddhismus in der deutschen Kultur. Theseus Verlag. 2000. |
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