| Hup Holland hup - fĂĽr Srebrenica |
| Geschrieben von: Amira Hafner-Al-Jabaji |
| Sontag, 11. Juli 2010 06:54 |
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Wissen die holländischen Fussballspieler eigentlich, wozu sie in Johannesburg sind, wenn sie heute am 11. Juli 2010 abends den Fussballrasen betreten? Sie finden das eine dumme Frage? Nun, man mag es für Zufall oder Fügung halten, dass das Finalspiel exakt auf den fünfzehnten Jahrestag des Massakers von Srebrenica fällt. Grund genug, sich an die menschenverachtenden Ereignisse in der bosnischen Enklave zu erinnern, die als das grösste Kriegsverbrechen in Europa seit dem zweiten Weltkrieg in die Geschichte eingegangen sind.  Serbische Militärs (orthodoxe Christen) töteten systematisch weit über 8000 bosnische Männer und Buben (Muslime) im Alter zwischen 12 und 77 Jahren. Zuvor waren sie fein säuberlich aussortiert und von ihren Familien getrennt worden. Viele wurden brutal gefoltert bevor sie dann exekutiert und in Massengräbern verscharrt wurden. Dieser von den UN-Gerichten anerkannte Völkermord zog sich über mehrere Tage hin und die Massengräber, einundzwanzig sind es nachweislich, wurden öfters verlegt, um das ganze Aussmass des Verbrechens zu vertuschen.  Das alles geschah unter den Augen niederländischer UNO-Soldaten, dessen Auftrag es gewesen war, die muslimische Bevölkerung vor serbischen Übergriffen zu beschützen. Und da ist sie wieder, die dumme Frage: Wussten die holländischen Soldaten wozu sie in Srebrenica waren? Sie wussten es. Sie trugen blaue Helme der UNO und verstanden sich als Friedenssoldaten. Um den Frieden der Serbischen Militäroffiziere unter Radko Mladics Führung nicht unnötig zu stören, schritten sie nicht ein, die Gräueltaten zu verhindern. Nein, sie waren einfach nur da und liessen dem unsäglichen Treiben freien Lauf, versuchten gar noch die vor Todesangst panischen Bosnier zu beruhigen. Sie kämpften für nichts und niemand, noch nicht einmal für die Ehre ihres Bataillons - geschweige denn für die Ehre ihrer Nation. Serbien hat sich – und das verdient Anerkennung – für die Ereignisse in Srebrenica entschuldigt. Noch mehr Respekt verdient das bosnische Volk, das zu keinem Zeitpunkt nach Rache und Vergeltung geschrien hat, weder für die Taten der Serben noch für die Untaten der Holländer. Aber die Forderung nach Recht und Gerechtigkeit bleibt, nach der lückenlosen Aufarbeitung des Massakers, nach Sühne für die Opfer, nach Bewältigung des Traumas und nicht zuletzt - die Forderung, dass sich so etwas nie wieder widerholen dürfe, und zwar an keinem Ort auf der Welt und an keinem Volk. Ich wünschte, die holländischen Fussballer würden den Final inTrauerflor spielen, im Gedenken an die Opfer von Srebrenica. Und in meinen Träumen habe ich den Kapitän der Niederländer gesehen, wie er den Pokal in die Höhe stemmt und dann ins Mikrophon spricht: „Wir wussten wozu wir hierhergekommen sind…um die Ehre unserer Nation wiederherzustellen. Deshalb widmen wir den Titel Srebrenica!“
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