«Il pugno di Gesù - Boxing Jesus» - Jesus lebt! - ab Auffahrt im Kino
Geschrieben von: Eno Nipp   
Freitag, 02. Mai 2008 07:35

Sei es nun Willkür oder nicht, seit Auffahrt ist der neue Film des Schweizers Stefan Jäger mit dem Titel «Boxing Jesus» in den Kinos zu sehen. Zur Premiere lud am 1. Mai in der Anwesenheit des Regisseurs und der beiden Darsteller Stefan Gubser (Rolle des Klinikdirektors) und Claudio Caiolo (Jesus) das Kino Arthouse le Paris in Zürich.

Jesus lebt?

Ein solcher Slogan lässt einiges erwarten. Reine Provokation der Filmemacher, oder steckt doch mehr dahinter? Noch ein Jesusfilm? Passionsgeschichte und Sport? Mit solchen und ähnlichen Gedanken im Kopf, mögen sich wohl noch andere ins Kino zur Première des Films mit dem italienischen Originaltitel «Il pugno di Gesù» gemacht haben. Eines sei schon im Voraus gesagt: Wer einen Film im Stil von Gibsons «The Passion of the Christ» erwartet, wird überrascht werden.

Boxing Jesus

Antonio: 33 Jahre alt, Boxer und potentieller Messias; Mutter: Maria; Vater: unbekannt

Eingebettet in die sommerliche Landschaft der Toskana, erzählt der Film in grobkörnigen Bildern und passendem Soundtrack die Geschichte des Italieners Antonio, der mit seiner Honda durchs Land fährt, unter freiem Himmel übernachtet und von Zeit zu Zeit versucht, sich als C-Klasse-Boxer etwas Geld zu verdienen. Während einer dieser Kämpfe muss Antonio alias «die Faust Jesus» ein paar harte Schläge zu viel einstecken, worauf er "durchdreht" und sich als der neue Messias zu erkennen gibt. Es folgt die Einweisung in eine psychiatrische Klinik, in der er sieben Tage Zeit hat, das Personal und den Direktor von seiner gesunden Psyche zu überzeugen. Gleich zu Beginn macht er die Bekanntschaft mit einem Insassen, der glaubt, Johannes der Täufer zu sein. Dieser sieht in Antonio den Messias und setzt alles daran, dies den Ungläubigen zu beweisen. Bald darauf sind auch seine Mitinsassen von Antonios wahrer Identität überzeugt. Zusammen mit Johannes inszenieren sie verschiedene Ereignisse aus den Evangelien, wie die wundersame Vermehrung des Brotes. Neben Maria Magdalena, einem Petrus und einem verrückten Musiker, der in der gemeinsamen Theaterinszenierung am liebsten das Schwein spielen würde, darf natürlich auch Judas nicht fehlen. Ob er diesmal Jesus erneut in den Rücken fällt, sei hier nicht verraten. Die Geschichte zwischen Jesus und Johannes dem Täufer ist einer der Haupthandlungsstränge, dazwischen scheint sich aber noch eine zarte Liebesgeschichte zwischen Jesus und Maria Magdalena, der verrückten Schwester des Direktors, anzubahnen.

Italienischer Feelgood-Movie oder Jesusparodie?

Nach eigenen Angaben des Regisseurs Stefan Jäger soll es ein italienischer Feelgood-Movie mit helvetischen Einschlägen sein. Der Titel und der dazu gelieferte Slogan lassen gemischte Erwartungen zu. So könnte man ihn als Anmassung bezeichnen, wobei sich der eine oder andere Gläubige vor den Kopf gestossen und sich in seinen religiösen Gefühlen verletzt fühlen könnte. Aber dazu sind die Geschichte und ihre sehr überzeugend gespielten Protagonisten von einer zu liebenswerten, leichten und manchmal etwas skurrilen Komik, aber auch Tragik und Melancholie. Den Film als Jesusparodie zu bezeichnen, wäre eben so verfehlt, wie den Vergleich zu Filmen wie «The Passion of the Christ» ziehen zu wollen. Obwohl oder gerade weil «Boxing Jesus» nicht durchschnittlich ist, kann der Film als über weite Strecken überzeugend bezeichnet werden und durchaus zu einem Publikumsliebling avancieren. Er besticht besonders durch seine Bilder, die anfangs gewöhnungsbedürftig grobkörnig und unscharf anmuten und seinen Soundtrack, der immer passend, aber nie zu aufdringlich erscheint. Dieser ist teilweise live während des Drehs entstanden, da einer der Musiker gleich selbst als Darsteller mitwirkte. Die Geschichte hat ihre Leichtigkeit nicht zuletzt dem Umstand zu verdanken, dass die meisten Szenen Produkte gelungener Improvisation sind, welche Stefan Jäger bewusst als Arbeitsweise gewählt hatte. Neben seiner Unbeschwertheit wird aber auch zum Nachdenken angeregt. Thematisiert wird der Umgang der Gesellschaft mit so genannten Irren, Verrückten, mit Menschen, die nicht der gesellschaftlichen Norm entsprechen und deshalb als Gefahr für die öffentliche Ordnung gesehen werden.

«Boxing Jesus» von Stefan Jäger

mit Claudio Caiolo, Bibiana Beglau, Carlo Monni, Michael Finger, Stefan Gubser, Andrea Cambi, Roberto Rondelli, Sergio Forconi, Alessio Venturini, Alessandro Calonaci

- Filmdauer: 90 Minuten

- Sprache: Italienisch/d/f

- Zutrittsalter: Ab 14/12 Jahren

- Genre: Komödie

- Verleih: Stamm-Film AG

- Produktionsfirma: Tellfilm

 

 

 

 
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