Krishna Premarupa das

Ratha Yatra - Das indische Wagenfest

Ratha Yatra - Das indische Wagenfest

Ich stehe auf einem grossen, bunten und sehr prächtigen, mit Blumengirlanden dekorierten Prozessionswagen. Etwa 40 Personen ziehen den Wagen an Seilen der Seepromenade entlang Richtung Bellevue. Die Sonne brennt auf meinen Kopf, hunderte von Krishna Geweihten sowie unzählige faszinierte Passanten schauen zu uns hoch. Während der etwa dreistündigen Parade verteilen wir bestimmt über hundert Kilogramm Früchte. Vor allem die rund 500 frischen Mangos sind beliebt! Doch zu wem schauen die Menschen hoch? Wer verteilt hier so viele Früchte? Was wird hier eigentlich gefeiert? Nun, mein tamilischer Freund und Priester aus dem Siva Tempel und meine Wenigkeit sind zwar auch hier auf dem Wagen, aber im Mittelpunkt steht Krishna, Jagannatha der Herr des Universums! Während ich dem Herrn in seiner Form als Bildgestallt kühlende Luft zufächele erinnere ich mich an die tiefere Bedeutung dieser Wagenprozession...

Als Sri Krishna vor 5000 Jahren auf dieser Erde weilte war er ein mächtiger König. Seine Kindheit jedoch verbrachte er im wunderschönen ländlichen Dorf Vrindavana (etwa 140km südlich vom heutigen Delhi). Als Krishna diesen paradiesischen Ort verliess um sein eigenes Königreich Dvarka zu errichten, verfielen die Einwohner von Vrindavana in eine tiefe Trauer der Trennung. Als sich später die Geweihten, anlässlich eines religiösen Festes, mit Krishna wieder trafen, war die Freude unermesslich. Am liebsten hätten sie Ihn wieder mit nach Vrindavana genommen! Dieser Wunsch, Krishna wieder in die vertrauliche Atmosphäre Vrindavanas zu bringen, ist die tiefere Thematik des Ratha Yatra Festes. Wenn die Krishna Geweihten an den langen Stricken des Wagens ziehen, ziehen sie eigentlich Krishna zurück nach Vrindavana, zurück in ihre Herzen. Es geht also darum, Gott wieder in unsere Herzen zu bringen, mit anderen Worten, Gott in unserem Alltag wieder den gebührenden Platz einzuräumen. Zu verstehen, dass Er eigentlich an erster Stelle steht, vor allem anderem, was uns in unserem Leben noch so als wichtig erscheint..

In diesem Bewusstsein feiern in Jagannatha Puri, an der Ostküste Indiens, Gläubige seit tausenden von Jahren das grosse Ratha Yatra Wagenfest (Hindi: ratha bedeutet Kutsche, Wagen und yatra - Pilgerreise, Prozession oder Fest). Abgesehen vom Kumba Mela ist diese Parade die größte religiöse Veranstaltung Indiens. Als ich vor rund zehn Jahren, das Glück hatte, während dem Fest in Puri zu sein, wurde von rund 3 Millionen Besuchern gesprochen. Auf drei großen Wagen, die in jedem Jahr nach uralter Tradition neu gebaut werden ohne den Gebrauch von einem einzigen Nagel oder einer Schraube (!), ziehen tausende von Menschen die drei großen Statuen von Jagannath sowie seinen "Geschwistern" Baladeva und Subhadra in einer Prozession durch die Straßen von Puri, begleitet von Musik und Tanz. In der Glut der Sommerhitze folgen Millionen von Pilgern den Wagen und der Lobgesang zu Ehren Jagannathas durchdringt den Äther. Jagannathas Wagen ragt mehr als 15 Meter in die Höhe und ist 10 Meter breit. Er bewegt sich auf 16 grossen Rädern durch die Strassen. Um einen dieser riesigen Wagen zu bewegen braucht es rund eintausend Personen! Mehrere hundert Priester kümmern sich um die Verehrung der Bildgestalt und die Überwachung der Wägen.

Aber nicht nur in Puri - heute wird das Ratha Yatra Festival in allen Kontinenten zelebriert - von Tokio bis Los Angeles, von London bis Durban. Dies wurde möglich durch die unermüdlichen Bemühungen von Swami Bhaktivedanta Prabhupada (dem Gründer der Krishna-Bewegung), der das Fest in den Westen gebracht hatte. In der Schweiz fand das erste Ratha Yatra 1978 in Genf statt und wird nun seit vielen Jahren auch in Zürich und in andern Städten wie Bern, Basel, St.Gallen und Luzern durchgeführt.

Die Prozession hat in der Zwischenzeit ihr Ende gefunden, wir sind auf der Rathausbrücke angekommen. Nun folgt noch ein vielseitiges kulturelles Programm mit indischem Tanz, einem Theater, Mantra-Musik und indisch vegetarischen Spezialitäten. Etwas erschöpft aber glücklich setzte ich mich in den Schatten und trinke ein erfrischendes Mango-Lassi. Natürlich feierten wir hier in Zürich das ganze Fest in einem etwas kleineren Rahmen als in Indien. Für ein Wagenfest mit Millionen Publikum braucht es in der Schweiz wohl etwas lautere Musik (Street Parade lässt grüssen), aber Krishna in seiner Form der Bildgestallt lächelt zufrieden. Schliesslich geht es bei diesem transzendentalen Festival um das Bewusstsein, Ihn wieder ins Herzen zu ziehen; etwas, was wir eigentlich täglich machen könnten!

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