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Nathalie Hanke

Der muslimische Bestatter von Zürich

Hamza, ein muslimischer Bestatter in Zürich, führt seit vielen Jahren Angehörige durch den schwierigen Prozess des Abschiednehmens. Er bietet sowohl lokale Erdbestattungen als auch Überführungen ins Heimatland an. Seine Arbeit erfordert das sensible Navigieren im Spannungsfeld zwischen muslimischen Begräbnistraditionen und den schweizerischen Bestattungsordnungen.

Das Büro, in dem mich Hamza empfängt, liegt in einem unscheinbaren Block in Zürich Schwamendingen und lässt nicht wirklich erahnen, in welchem Beruf er tätig ist. Er begrüsst mich in einem hellen Raum und wir setzen uns an einen runden Tisch mit bequemen Sesseln. Draussen schlägt die Kirchenuhr gerade drei Uhr, als wir mit unserem Gespräch beginnen.

Hamza in seinem Büro in Zürich Schwamendingen

Vom Büroangestellten zum muslimischen Bestatter

Er erzählt mir, dass er eher zufällig zum Beruf des muslimischen Bestatters gefunden hat. Während eines einjährigen Unterbruchs seiner Ausbildung half er auf Empfehlung seines Vaters bei einem Freund der Familie in einem Bestattungsunternehmen aus. Anfangs erledigte er hauptsächlich administrative Aufgaben, wurde aber zunehmend neugierig auf die vielfältigen Tätigkeiten eines Bestatters und fand so seinen Weg in den Beruf. Heute arbeitet er seit 14 Jahren bei der Firma Furat International Repatriation, davon 8 Jahre als Geschäftsführer. In dieser Zeit begleitete er viele Angehörige, die ein Familienmitglied verloren haben. Diese können zwischen einer Erdbestattung in der Schweiz oder einer Überführung in das Ursprungsland des Verstorbenen wählen.

Der Aufgang zum muslimischen Grabfeld auf dem Friedhof in Zürich Witikon

Ewige Ruhe? Kompromisse und Herausforderungen

Auf dem Friedhof in Zürich Witikon entstand im Jahr 2004 das erste muslimische Grabfeld der Schweiz. Deshalb hat es auch für Hamza eine spezielle Bedeutung. In vielen Aspekten konnten Kompromisse zwischen den muslimischen Begräbnistraditionen und den lokalen Bestattungsordnungen gefunden werden: bei der Ausrichtung der Grabfelder in Richtung Mekka, einem Waschraum für die rituelle Waschung, der Verwendung eines sich schnell zersetzenden Erdbestattungssargs und der Bemühung um einen möglichst schnellen Beisetzungstermin. Allerdings haben Muslim:innen in der Schweiz kein Anrecht auf eine ewige Grabesruhe auf öffentlichen Friedhöfen, weshalb auch ihre Gräber in der Regel nach 20 Jahren aufgehoben werden.

Muslimische Gräber auf dem Friedhof in Zürich Witikon
Setting einer rituellen Waschung

Vom Schweizer Friedhof ins Heimatland

Hamza erklärt, dass die Aufhebung eines Grabes für viele Muslim:innen ein absolutes «No Go» ist. Dies sei einer der Hauptgründe, warum der Anteil an Überführungen ins Ausland bei seiner Arbeit etwa 80 Prozent beträgt. Oft gibt es jedoch auch andere Beweggründe, wie die enge Verbundenheit mit dem Heimatland oder die Möglichkeit der Beisetzung im dortigen Familiengrab. Hamza hat inzwischen auch einige Fälle erlebt, bei denen muslimische Gräber in der Schweiz aufgehoben wurden. Fast immer wurden die Gebeine dann nach der Exhumierung auf Wunsch der Familie in einem Sarg ins Ausland überführt und dort erneut beigesetzt.

Überführungssärge sind mit einer Zinkwanne ausgestattet und werden bei der Rechtsmedizin zugelötet, bevor sie zum Flughafen gebracht werden.
Hamza erklärt die Ausstattung eines Bestattungsautos. Immer dabei ist eine Liege für den Transport der Verstorbenen sowie ein Sarg für alle Fälle.

Jenseits von Grenzen

Überführungen macht die Furat International Repatriation fast in alle Welt. Selbst für Afghanistan und Syrien konnte er schon Lösungen finden, erzählt mir Hamza. Er selbst hat sich über sein Begräbnis auch schon Gedanken gemacht: «Ich persönlich möchte gerne dort beigesetzt werden, wo meine Geliebten sind. Meine ganze Familie lebt schon eine Weile in der Schweiz. Deshalb möchte ich gerne hier in der Schweiz beigesetzt werden.» 

Diese Reportage entstand im Rahmen des Seminars «Schreiben und Sprechen über Religion» der Theologischen und Religionswissenschaftlichen Fakultät der Universität Zürich unter der Leitung von Marie-Therese Mäder in Zusammenarbeit mit «religion.ch». Im Artikel von Marie-Therese Mäder zur Mediatisierung von Religion können einige Hintergrundinformationen aus dem Seminar nachgelesen werden.


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Autor:in

  • Nathalie Hanke

    Masterstudentin am Zentrum für Religion, Wirtschaft und Politik ||| Nathalie Hanke, geb. 1999 in Zug, ist Masterstudentin am Zentrum für Religion, Wirtschaft und Politik. Im Bachelor studierte sie Theologie an der Universität Basel. Sie interessiert sich für die religiöse und kulturelle Vielfalt in der Schweiz und die damit einhergehenden gesellschaftlichen Veränderungen.

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Ein Gedanke zu „Der muslimische Bestatter von Zürich

  • Da ich Hamza persönlich kenne, kann ich sagen, dass er eine Persönlichkeit ist, die man nur selten findet – pünktlich in seiner Arbeit und stets zuverlässig. Die Arbeit, die Hamza leistet, kann nicht jeder machen – Respekt dafür.
    Mit seiner beruflichen Erfahrung ist Hamza sehr aufrichtig, höflich, schnell und korrekt. In Momenten der Trauer versucht er stets, die Angehörigen zu trösten, und erledigt seine Arbeit mit grosser Sorgfalt.
    Ich wünsche Hamza Gesundheit und ein langes Leben. Bleib so, wie du bist, Hamza 💪

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