Ein Plädoyer zur Scheidung von Staat und Religion

Verschiedene Religionsgemeinschaften werden in der Schweiz in unterschiedlichen Modellen rechtlich an den Staat gebunden. Menschen mit einer nicht religiösen Weltanschauung können hingegen nicht von einer solchen Beziehung profitieren. Und doch wächst die Zahl der Menschen, die sich keiner Religion zugehörig fühlen, stetig. Die Bedürfnisse von nicht religiösen Menschen werden in diesem System jedoch schlicht nicht abgedeckt. Entsprechend ist diese Beziehung von anerkannten Religionen und Landeskirchen zum Staat eine ungerechtfertigte und nicht mehr zeitgemässe Privilegierung dieser Religionen gegenüber Menschen mit einer nicht religiösen Weltanschauung.

Ich stehe dafür ein, dass der Staat sich gegenüber Kirchen und Religionsgemeinschaften neutral verhält. Er soll diese gegenüber anderen gesellschaftlichen Kräften weder privilegieren noch diskriminieren. Kirchen und Religionsgemeinschaften sollen sich wie andere Vereine und Interessensgruppen organisieren. Der Staat zieht beispielsweise für Berufsverbände oder Gewerkschaften, für Schachvereine oder Hockeyclubs keine Mitgliederbeiträge ein. Ich habe und hege diesbezüglich einigermassen klare politische Forderungen. Neben der Kritik am Verhältnis Staat/Kirche finde ich Religionskritik auch ganz allgemein ausserordentlich wichtig. Nicht nur bloss die politischen Verhältnisse betreffend, sondern allgemein-gesellschaftlich, philosophisch usw. Wie jede andere Ideologie sollen, dürfen und müssen religiöse Denksysteme einer Kritik ausgesetzt werden. Das gilt für diese Ideengebäude und Institutionen insgesamt, aber fallweise auch für die Funktionäre religiöser Interessenverbände. 

Anti-fundamentalistische Fundamente

Ich pflege ein wissenschaftliches Weltbild, versuche meine Entscheidungen, meine Weltanschauung, meinen Konsum und mein alltägliches Verhalten möglichst rational zu begründen. Meine Weltanschauung ist korrigierbar und veränderlich, wenn neue Erkenntnisse erhältlich sind. Mein freies Denken und mein weltlicher Humanismus kennen zwar Grundsätze und Grundlagen, wie sie beispielsweise in Erklärungen der Menschenrechte festgehalten werden, sind aber weder in Stein gemeisselt noch beziehen sie sich auf «heilige Texte» oder dergleichen. Es sind quasi anti-fundamentalistische Fundamente, welche mir als Basis dienen. Ich ziehe für mein Handeln und Denken insbesondere auch Gedankengänge der Nachhaltigkeit und der Leid-Vermeidung heran. Das bedeutet für mich: Ich ignoriere mögliche zukünftige Lebewesen (z.B. Menschen) und deren Lebensgrundlagen nicht. Auch in Betracht zu ziehen sind nicht-menschliche Tiere. Ich bezeichne die nicht-menschlichen Tiere lieber als «nicht-menschliche Tiere» statt bloss als «Tiere», um bewusst zu machen oder bewusst zu halten, dass auch der Mensch ein Tier ist.

Dass ich eine möglichst rational begründete Weltsicht pflegen will, bedeutet übrigens nicht, dass ich Emotionen, Kunst, Ergriffenheit, Staunen, Neugierde usw. ignoriere oder gering schätze. Es ist ganz im Gegenteil vernünftig, den Menschen eben auch als emotionales Wesen zu betrachten. Das Gegenteil von «rational» ist ja nicht «emotional», sondern «irrational». Ich brauche keinen Gott, keine Göttin und keine Götter und ich lehne die gängigen – also wahrscheinlich die meisten? – Gottesbilder ab. Ich habe für mein Glück und mein ethisches Handeln keine Religion nötig. Eher im Gegenteil: Ich sehe Religion eher als etwas Negatives und Trennendes. Viele Facetten von Religion und Religiosität nehme ich als irrational wahr. 

Nicht-Religiöse brauchen eine (stärkere) Lobby

Aufgrund meiner gesellschaftlichen Forderungen und meiner Weltanschauung passe ich prima zur Freidenker-Vereinigung der Schweiz (FVS). Dort bin ich als Vize-Präsident tätig und versuche, die Anliegen humanistischer Menschen zu vertreten. Neulich habe ich gesehen, dass eine einzelne Kirchgemeinde eine 80%-Stelle ausgeschrieben hat, bloss um die Social-Media-Kanäle und die Webseite zu bewirtschaften sowie einen Teil der Medienarbeit zu bewältigen. Die FVS hat nicht einmal auf nationaler Ebene so viele Stellenprozente für eine solche Arbeit zur Verfügung. Es ist leider so, dass das Budget einer Kirchgemeinde einer kleineren Stadt das Budget der FVS wohl jedes Jahr um ein Vielfaches übertrifft. Mit viel Freiwilligenarbeit und mit Herzblut versuchen wir neben Mitgliederdiensten nach innen ebenfalls nach aussen wirksam zu sein. Wir nehmen an Vernehmlassungen teil, leisten Beratung, stehen den Medien zur Verfügung, organisieren regelmässig ein Denkfest und ein Sommerlager, feiern den Welthumanistentag, verleihen den Freidenker-Preis und bieten allerlei soziale Dienste an.

Allen Religionen genau gleich viele Privilegien, nämlich null

Der religiöse, «spirituelle» und weltanschauliche Pluralismus gebietet, dass sich staatliche Akteure gegenüber dem Phänomen Religion so neutral wie möglich verhalten. 1970 gehörte bloss etwa ein Prozent der Schweizer Bevölkerung keiner Kirche oder Religionsgemeinschaft an. 2020 sind wir etwa 30 Prozent. In vielen Städten bilden wir bereits die absolute Mehrheit. Daher bin ich dagegen, islamische Glaubensgemeinschaften mit ähnlichen Privilegien auszustatten, wie sie christliche Religionsgebilde aktuell noch in vielen Kantonen haben. Einerseits ist es nicht trivial, welche der vielen verschiedenen Geschmacksrichtungen dieser Religion man denn ins staatliche Privilegienboot holen würde. Andererseits endet dieser Weg – sofern man ihn einigermassen konsequent weiterdenkt und weitergeht – bei der Anerkennung, Finanzierung und Privilegierung allzu vieler Gemeinschaften. 

Damit ist niemand privilegiert. Und niemand diskriminiert.

Ich bin dagegen, dass auch Scientology, Zeugen Jehovas, die Kirche des Fliegenden Spaghettimonsters, der Zoroastrismus, die Kirche der Heiligen der Letzten Tage («Mormonen») usw. mit ins Boot geholt werden. Ich bin dafür, dass der Staat eine schöne, runde Zahl religiöser Gemeinschaften mit Privilegien versieht: Nämlich, in einem Wort: Null. Damit ist niemand privilegiert. Und niemand diskriminiert. Keine Andersgläubigen, aber auch nicht die stark wachsende Zahl der Menschen ohne Religion. Das würde nicht bedeuten, dass der Staat gar nicht mehr mit Religions- und Weltanschauungsgemeinschaften in Kontakt treten würde. Auch würde es nicht bedeuten, dass unter keinen Umständen Geld an Religionsgemeinschaften fliessen könnte. Der Geldfluss müsste dann aber transparent geschehen und im Rahmen von klar umrissenen Leistungsvereinbarungen. Darum, gewisse Leistungen gegen staatliche Mitfinanzierung erbringen zu dürfen, könnten sich religiöse wie nicht-religiöse Organisationen bewerben.

Das Freidenker-Wort zum Sonntag

Wir Freidenkerinnen und Humanisten hatten bei SRF noch nie das «Wort zum Sonntag». Würde doch eigentlich Zeit, oder? Entweder wird dieses Wort zum Sonntag beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk abgeschafft, oder es wird einer breiteren Autorenschaft gegenüber geöffnet. Weitab des öffentlichen Bewusstseins, quasi in Hinterzimmergesprächen mit den «Landeskirchen» werden leider immer wieder Vereinbarungen getroffen und Privilegien zugeschanzt, welche sich in diesem Ausmasse noch nie aus der Konzession oder dem Bundesgesetz über Radio und Fernsehen herleiten liessen. Die Religionslobby arbeitet tüchtig, hat viel Geld und weitere Ressourcen zur Verfügung. Glücklicherweise wird je länger je klarer, dass derlei Verstrickungen nicht mehr zeitgemäss sind. Ich bin fest davon überzeugt, dass es beispielsweise mit dem «Wort zum Sonntag» nicht «einfach so» weitergehen kann. Und wird. Wir arbeiten daran.

Von humanistischen Zeremonien und bedingungslosem Grundeinkommen

Neben einem Teilpensum als Lehrperson, welches ich vor allem aus Corona-Gründen angenommen habe, bin ich beruflich hauptsächlich als freier Redner und humanistischer Ritualbegleiter tätig. Das bedeutet, dass ich Zeremonien, Feste und Feiern ohne religiöse Inhalte und ohne esoterisches Gerümpel anbiete. Vor allem sind dies Willkommensfeiern bzw. Namensfeiern, Hochzeitszeremonien und Abschiedsfeiern. Diese Arbeit ist für mich sehr spannend und befriedigend. Ein Aspekt fällt mir dabei immer wieder auf: Es ist vielen zu wenig bewusst, dass es diese Angebote gibt. Das liegt mitunter daran, dass es hierzulande lange Zeit eben keinerlei oder nur eine unzureichende Trennung von Staat und Kirche gab. 

Auch in diesem Bereich nervt mich Ungerechtigkeit. Die konventionell und staatlich privilegierten religiösen Funktionäre erhalten quasi ein bedingungsloses staatliches Grundeinkommen und müssen gar nicht wirklich am Markt bestehen und mit guten Dienstleistungen auffallen. Ich will damit nicht sagen, dass es keinerlei traditionell-religiöse Anbieter gibt, welche würdige, interessante, individualisierte Feiern anbieten, in welchen der Mensch und die Gesellschaft im Zentrum stehen und auf die Wünsche der Auftraggeber eingegangen wird. Denn die gibt es ja durchaus, das kann ich zugeben. Es gibt aber auch viel Dürftiges, Unpassendes und schablonenhaftes 08/15-Gequatsche. 

Katholische Reformgruppen demonstrieren in St. Gallen gegen den Bischof von Chur. Auch sie stehen der Kirche kritisch gegenüber. © Vera Rüttimann

Was die Voraussetzungen bezüglich Infrastruktur, Vernetzung und Finanzierung angeht, herrscht eine unsägliche Asymmetrie. Es wird wohl ähnlich werden wie bei der Kremation. Früher war es für viele religiöse Menschen verboten, sich einäschern zu lassen. Die Freidenkerinnen und Freidenker waren unter den ersten, welche diese Art der Bestattungsmöglichkeit forderten und förderten. Inzwischen ist die Kremation ziemlich selbstverständlich geworden. So wird es wohl auch immer stärker bei Feiern sein. Heute kommt es noch unangenehm häufig vor, dass beispielsweise bei Beisetzungen noch christliche Geistliche sprechen, obwohl die anwesenden Trauernden mit Religion fast nichts am Hut haben und auch der oder die Verstorbene ihr Leben ohne Religion gelebt hat. Einfach, weil noch nicht bekannt ist, dass es auch anders geht. Aber das wird schon. Mit der Zeit.

Das aktuelle System ist weder zeitgemäss noch zukunftsträchtig

Gerade bei Themen, welche Religion betreffen, liegt die Kompetenz – und leider auch oft Inkompetenz – bei den Kantonen. Es gibt in der Schweiz die beiden Kantone Genf und Neuenburg, in welchen die Trennung von Staat und Kirche bzw. Religionsgemeinschaften einigermassen durchgeführt ist. Dort herrscht zwar auch keine wirkliche «Laizität à la Frankreich», aber die Trennung geht dort schon recht weit. Wenn man es so sehen wollte, dass Frankreich eine Scheidung vollzogen hat, so leben in Neuenburg und Genf die ehemaligen Partner zumindest schon mal getrennt. 

Dazwischen haben wir viele Kantone, welche eine «kleine» oder «halbe» Trennung von Staat und Kirche/Religionsgemeinschaften vollzogen haben. Der Staat und die anerkannten, privilegierten Religionsgemeinschaften, leben dort immer noch im Ehestand. Die beiden sind sich in diesen Kantonen nicht immer sehr nahe und übernachten nicht mehr oft im gleichen Schlafzimmer. Aber sie stecken noch immer unangenehm und unangemessen oft unter einer Decke. Viele Leute pflegen beispielsweise die irrige Meinung, dass in einem Kanton wie Bern Staat und Kirche getrennt wären. Dem ist mitnichten so. Nur schon der Einzug der Vereinsbeiträge stellt ja ein Privileg dar, welches kein Kegelklub und keine Freidenker-Vereinigung staatlicherseits gewährt bekommt. Hinzu kommen noch Bevorzugungen auf sehr vielen Ebenen und in vielfältiger Form. Beispielsweise werden die Löhne und Gehälter der Priester, Pfarrerinnen und Pfarrer der öffentlich-rechtlich anerkannten Kirchen im Kanton Bern nicht etwa über die Kirchensteuer bzw. den Vereinsbeitrag finanziert, sondern aus den allgemeinen Steuern sämtlicher steuerpflichtiger Personen. Es geht immerhin um rund 70 Millionen Franken. Jedes Jahr! Aus den Steuerbeiträgen aller Bernerinnen und Berner. Also auch von Muslimen, Hindus, Buddhisten, Atheistinnen, Agnostikern und Freidenkerinnen. 

Die Finanzierung der Kirchen ist intransparent versteckt im allgemeinen Budget der politischen Gemeinde.

Am anderen Ende des Spektrums haben wir einige Kantone, bei welchen Staat und Kirche noch sehr eng verflochten sind. Als Beispiel und Extremfall kann man den Kanton Wallis anführen, den ich mehr oder weniger scherzhaft als «Vatikanton Wallis» bezeichne. Dort gibt es gar nicht erst eine Kirchensteuer. Die Finanzierung der Kirchen ist intransparent versteckt im allgemeinen Budget der politischen Gemeinde. Leute, welche sich keiner der finanzierten Kirchen zugehörig sehen, können zwar – aber das muss man ja auch erst Mal wissen! – jährlich der Steuererklärung ein Rückforderungsbegehren beilegen, aber es wird nur ein Teil des Aufwands ausgewiesen und zurückerstattet. Auch was den Zugriff vor allem der römisch-katholischen Kirche und ihrer Funktionäre auf politische Entscheidungsprozesse, auf die Strukturen der obligatorischen Schule usw. angeht, herrschen im Wallis krasse Zustände. 

Wenn ich ins Schildern dieser Zustände gerate, stellt sich bei vielen Leuten aus anderen Kantonen – im Wallis heisst die übrige Schweiz «Üsserschwiz» – ein gewisser Unglaube ein, dass dies tatsächlich im 21. Jahrhundert in einem Schweizer Kanton möglich sei. 2010 wurde – die Angelegenheit mag einigen Leserinnen und Lesern diffus bekannt sein – der hier schreibende Mensch als Lehrer einer staatlichen Schule fristlos entlassen, weil er sich weigerte, ein Kruzifix in seinem Schulzimmer wieder aufzuhängen. Ich verzichte jetzt aber lieber auf eine ausführlichere Beschreibung der Zustände im Wilden Süden der Schweiz. Diese Beschreibung findet sich andernorts.

Laizität trägt zum gesellschaftlichen Frieden bei

Eine gut durchgeführte Trennung von Staat und Kirche/Religionsgemeinschaften befördert den gesellschaftlichen Frieden, indem sie keinen Menschen das Gefühl gibt, nicht wirklich dazu zu gehören oder sogar irgendwie ein Bürger oder eine Bürgerin zweiter Klasse zu sein. Denn die erlebten Irritationen können heute von milde bis zum Eingemachten gehen. Die Buddhistin, welche auf dem Gemeindebüro unter einem Kruzifix beraten wird. Das Neugeborene, welches im Kantonsspital ebenfalls unter dem Kruzifix reanimiert wird. Der atheistische Programmierer, welcher für seine Firma Kirchensteuer abliefern muss. Die muslimische Familie, welche auf dem Friedhof im kleinen Dorf keinen passenden Platz für ein verstorbenes Familienmitglied findet. Die Tochter humanistischer Eltern, welche im Fach «Ethik, Religionen, Gemeinschaft» zwar allerhand Religionen präsentiert bekommt, aber niemals etwas von weltlichem Humanismus oder Atheismus hört. Oder – noch schlimmer – der Sohn streng religiöser Eltern, welcher während seiner Schulzeit keine Alternative kennenlernt und noch im Erwachsenenleben denkt, Atheisten wären Menschen ohne Ethik und würden zum Frühstück Babys essen. 

Der Gartenzaun und die Distanz als Friedensstifter?

Für den insgesamt doch relativ ausgeprägten gesellschaftlichen Frieden in der Schweiz ist es durchaus wichtig, dass eine gewisse Toleranz gegenüber anderen Religionen und Weltanschauungen herrscht. Oft ist es hierzulande ein gesundes Desinteresse und «Machen-Lassen», welches das Miteinander, das Leben, und bisweilen das aneinander Vorbeikommen ermöglicht. Der Gartenzaun und die Distanz als Friedensstifter? Einfach einigermassen in Ruhe gelassen zu werden, kann schon zu einem friedvolleren Gemütszustand beitragen. Solange die gelebte Religion nicht allzu sehr ins Leben aller hineinpfuschen will oder allzu offen Menschenrechte verletzt, bleibt sie harmlos und trifft nicht auf viel Widerstand. Und das ist auch gut so. Die Redefreiheit und die Freiheit der Kunst sind in der Schweiz ganz gut etabliert. Obwohl wir leider immer noch ein Verbot der Gotteslästerung in den Gesetzbüchern haben. Dass wir einigermassen friedlich und auch in einem Religionsfrieden leben, hat aber auch stark damit zu tun, dass wir ein recht gut funktionierendes öffentliches Schulwesen haben und dass insgesamt wirtschaftliche Prosperität herrscht.

Nicht in meinem Namen! – In deinem?

Ich glaube, dass Religion Privatsache ist. Ich glaube nicht, dass ein religiöser Glaube für eine Ethik des 21. Jahrhunderts förderlich ist oder für ein friedliches Zusammenleben in einer Gesellschaft, in einem Staat nötig ist. Ich glaube, dass Laizität, also eine recht strikte Trennung von Staat und Kirche/Tempel/Moschee… zeitgemäss und zukunftsträchtig ist. Ich hoffe, ich konnte wenigstens ansatzweise begreiflicher oder sogar begreiflich machen, wieso sich viele Menschen auch mal mit Klartext gegen religiöse Privilegien wehren. 

Auch Religiösen darf die striktere Trennung von Staat und Kirche ein Herzensanliegen sein. 

Ich bestehe auf meinem Recht, mich gegen religiöse Zumutungen zu wehren. Ich nehme mein Abwehrrecht wahr und möchte gewisse Menschenrechtsverletzungen nicht auch noch gezwungenermassen per Staat mittragen und mitfinanzieren. Ich brauche keine Religion. Ich glaube nicht an den Glauben. Ich nehme mir heraus, immer wieder zu sagen: «Nicht in meinem Namen! Und bitte nicht mit meinem Geld!» Und jetzt frage ich mich, und ich frage euch: Wie ist es euch ergangen beim Lesen einiger Beispiele? War da eher Schulterzucken und «Das betrifft ja mich nicht!» oder «Das ist ein komischer Kanton!» oder können auch einige Religiöse sagen: «Nicht in meinem Namen! Da müssen wir doch etwas ändern.»? Falls mein Text nicht bloss als anstössig empfunden wurde, sondern zu einigen Denkanstössen geführt haben sollte, freut mich das. Falls es nicht nur beim Denken oder bei Worten bleibt, würde mich das noch mehr freuen. Auch Religiösen darf die striktere Trennung von Staat und Kirche ein Herzensanliegen sein. 

Valentin Abgottspon ist Vize-Präsident der Freidenker-Vereinigung der Schweiz (FVS). Die FVS setzt sich für die Belange nicht-religiöser Menschen ein: säkular, humanistisch, rational. Er ist verheiratet und Vater von zwei Kindern (5 J. und 3 J.), arbeitet als Hausmann, Teilzeitlehrer und Autor. Er arbeitet hauptberuflich als freier Redner und humanistischer Ritualbegleiter. Er ist im Wallis aufgewachsen, lebt in Lyss im Kanton Bern und studierte an der Universität Freiburg im Üechtland Germanistik und Philosophie.


www.frei-denken.ch 

www.der-freie-redner.ch 

www.humanistische-rituale.ch

Ein Gedanke zu „Ein Plädoyer zur Scheidung von Staat und Religion

  • Hanna Marty sagt:

    Sehr geehrter Herr Abgottspon
    Danke für Ihren Bericht. Ihr Anliegen ist verständlich. Die Realität vieler Menschen im Nachdenken über die „letzten Dinge“ ist nicht so einfach, wie Sie es schildern. In Ihren gehaltvollen Ritualen fehlt ein wesentlicher Punkt: Hoffnung. Viele Menschen brauchen Hoffnung; keine billige. Von Mitmenschen gelebte Zuversicht, Freude, Kraft und Hoffnung auf das, was nicht fassbar, nicht beweisbar und doch da ist. Dazu bräuchte es keine religiösen Institutionen, ja. Wir Menschen funktionieren nicht als Einzelne. Sie beweisen das. Sie haben ihren Verein. Bei Sterbebegleitungen, Abschiedsfeiern ist dieses Unsagbare da und gibt Hoffnung. So wie ich Sie durch den Text wahrnehme, empfinde und denke ich das nicht.
    Die christlichen Kirchen führen noch viele Leistungen aus, die allen (auch Ihnen) zu gute kommen. Vielleicht „bekommen“ Sie ein Wort zum Sonntag. Da würde ich zuhören, Nachher hätten Sie die Reaktionen der Zuhörenden/Zusehenden.
    Freundliche Grüsse hanna marty

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