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Die Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten entspringt der Bewegung der Adventisten (lat. adventus: Ankunft) und kommt ursprünglich aus den Vereinigten Staaten, wo sie im 19. Jahrhundert entstand. Adventisten glauben an das baldige Ende dieser Welt und an die Wiederkunft ─ den Advent ─ Jesu Christi: Sie gehören zu den Endzeit-orientierten Bewegungen innerhalb des Christentums, wie beispielsweise die Zeugen Jehovas oder die Mormonen.


Die Siebenten-Tags-Adventisten beziehen sich neben der Bibel auf die Offenbarungen ihrer Prophetin Ellen G. White, durch welche in Zusammenarbeit mit weiteren Adventisten 1863 diese Bewegung entstanden ist. Kernelemente ihrer Lehre sind die folgenden drei Merkmale: Erstens das strikte Einhalten der Sabbatheiligung (Heiligung des siebten Tags der Woche), also die Heilugung des Samstags anstelle des Sonntags, wie es für Christen üblich ist; zweitens die Erwachsenentaufe; und drittens die Achtung der alttestamentarischen Speisegebote zur Reinhaltung des Körpers, welchen sie als Tempel Gottes verstehen. Letzteres beinhaltet unter anderem den Verzicht auf Fleischsorten und Rauschmittel wie Alkohol oder Nikotin.

Verbreitung und OrganisationSiebenten Tage Adventisten

Die Siebenten-Tags-Adventisten wurden im Jahre 1863 in Battle Creek im Bundesstaat Michigan von Ellen G. White, James White, Joseph Bates und John Andrews gegründet. Heute sind sie weltweit verbreitet und gelten als die grösste adventistische Religionsgemeinschaft. Nach Eigenangaben gibt es weltweit ca. 20 Millionen getaufte Mitglieder (2016). Da ungetaufte Mitglieder (Kinder und Jugendliche) in dieser Zählung nicht inkludiert sind, gilt es zu beachten, dass die Zahl der siebenten-Tags-adventistischen Kirchengänger Schätzungen zufolge erheblich höher ist.
Auf der Homepage der schweizerischen Siebenten-Tags-Adventisten ist aufgeführt, wie zum einen eine Ortsgemeinde und zum anderen die Kirche als solche strukturiert sind. Im Folgenden hier eine Zusammenfassung mit den wichtigsten Punkten ihrer strengen hierarchischen Ordnung und geistlichen Autoritäten.

Organisation der Ortsgemeinde

Das oberste Entscheidungsgremium ist die Gemeindeversammlung. An jener hat jedes ordentliche (jedes getaufte, offizielle) Kirchenmitglied ein Rede- und Stimmrecht. Dort werden Vertreter in das Leitungsgremium, also in den Gemeindeausschuss gewählt. Sowohl das Entscheidungs- als auch das Leitungsgremium werden von einer Pastorin oder einem Pastor –  also von einer geistlichen Autorität – geleitet. Üblicherweise ist nur die Pastorin/der Pastor von der Kirche angestellt. Alle anderen arbeiten ehrenamtlich.

Organisation der Kirche

Auf allen Ebenen werden wichtige Entscheidungen von demokratisch gewählten Vertretern getroffen. Die Kirche ist zentral organisiert, wird aber nicht zentralistisch geleitet. Jede Leitungsebene hat einen Präsidenten, einen Vorstand und einen Verwaltungsausschuss. Die Leitungsebenen regeln ihre Belange weitgehend selbständig. Übergeordnete Anliegen werden alle fünf Jahre an der Weltsynode diskutiert und von dieser entschieden. Dazu gehören u.a. Fragen der Lehre und des Bekenntnisses.

Historische Entwicklung

Im 19. Jahrhundert entstanden in den USA christliche Sondergruppen, welche sich von den evangelischen Freikirchen abspalteten. Die Sondergruppen akzeptieren einen Teil der Bibel und der christlichen Lehre, kennen darüber hinaus aber auch weitere Offenbarungen. Die meisten von ihnen beanspruchen für sich, das einzig wahre Evangelium zu predigen. In diesem Kontext entstand 1832 die Adventgemeinde, für welche der Baptist William Miller als Begründer gilt. Es gibt verschiedene adventistische Gruppen, welche sich auf jene Adventgemeinde rückführen lassen, von denen ist aber nur die Gemeinde der Siebenten-Tags-Adventisten aufgrund ihrer Mitgliederzahlen und weltweiten Verbreitung von Bedeutung.

Millers Vorhersagung und die «grosse Erschütterung»

Miller prophezeite bzw. berechnete die Wiederkunft Christi (den Advent) für das Jahr 1844. Als der Advent dann ausblieb, hinterliess dies eine Menge in ihrem Glauben erschütterte Adventisten. Folge dieser Enttäuschung und zahlreicher weiterer Berechnungen war, dass sich die Gemeinde der Adventisten aufsplitterte. Daraus gingen neben anderen die Siebenten-Tags-Adventisten hervor, welche durch die Zusammenarbeit einer Gruppe von Adventisten ─ darunter Ellen Gould White ─ gegründet worden sind. Man könnte die Siebenten-Tags-Gemeinde als eine Art Zufluchtsort für «gestrandete» Adventisten ansehen, da sie mit erweiternden Glaubensansätzen und Visionen Ellen G. Whites die Adventisten neue Hoffnung auf die Wiederkehr Christi schöpfen liess.

Offizielle Gründung und Mission in Europa

Ursprünglich war die Bewegung der Siebenten-Tags-Adventisten als Erweckungsbewegung gedacht, welche in bereits bestehenden US Kirchen und Konfessionen wirken wollte. Da aus verschiedenen Gründen eine Gemeindebildung unumgänglich wurde, kam es, dass 1863 Vertreter aus rund 125 Gemeinden an der ersten Generalkonferenz der Seventh-Day-Adventist Church die erste Kirchenverfassung annahmen.
Die Siebenten-Tags-Adventisten missionierten auch in Europa, wo sie schnell Anhänger fanden, was in einem starken Wachstum resultierte. Die erste Gemeinde ausserhalb der Vereinigten Staaten entstand in der Schweiz im Berner Jura, in Tramelan im Jahre 1867.

Heute

Mit den Jahren nahm die Konzentration auf die Endzeit ab und man begann, sich mehr auf das Diesseits zu fokussieren. 1893 gründete die Kirche die Internationale Vereinigung zur Verteidigung der Religions- und Gewissensfreiheit. Die Freikirche der Siebenten-Tags-Adventisten versteht sich heute als Kirche frei vom Staat und mit freiwilliger Mitgliedschaft, darüber hinaus sind die Siebenten-Tags-Adventisten zu zwischenkirchlicher Zusammenarbeit bereit. Nach Eigenangaben verstehen sich die Siebenten-Tags-Adventisten als eine den Menschen und der Gesellschaft dienende Kirche.
Die Kirche missioniert in 215 Ländern auf über tausend Sprachen. In ihrem Namen wurden u.a. 8'208 Bildungsinstitutionen erbaut und 765 Institutionen, welche im Bereich Gesundheit und Pflege aktiv sind.

Lehre

Adventisten beziehen sich auf die Heilige Schrift vom Glauben Jesu und seiner Apostel, also auf die Lehre der ersten Christen. Sie sehen sich als Erben der Reformation an ─ der Rückbesinnung auf die Wurzeln des christlichen Glaubens ─ und verstehen es als ihre Aufgabe, jene weiterzuführen und zu vollenden.
Zurzeit ist in den sorgfältig durchdachten und ausformulierten 28 Glaubensüberzeugungen festgehalten, was Adventisten glauben. Diese beinhalten beispielsweise das Gottesverständnis, die Rolle Jesu Christi oder die Lehre vom Sabbat. Diese Glaubensbekenntnisse sind nicht statisch und können durch die Vollversammlung an der Weltsynode angepasst werden (s. Organisation der Kirche).
Die Grundlage des adventistischen Glaubens bildet die Bibel, jedoch werden je nach Strömung und individueller Ausrichtung die Schriften Ellen G. Whites relativ stark gewichtet.

Sabbatheiligung

Die Siebenten-Tags-Adventisten heiligen den Samstag anstelle des Sonntags, wie es für Christen eigentlich üblich ist. Nach abrahamitischer Zählung ist der Samstag der siebte Tag der Woche, daher stammt auch der Name der Gemeinde. Die ersten Christen haben also den Samstag geheiligt. Die Sonntagsheiligung wird weder im Alten noch im Neuen Testament beschrieben. Dies erklärt, wieso sich die Siebenten-Tags-Adventisten, welche sich auf die Anfänge des Christentums besinnen, auf den Sabbat beziehen. Der Sabbat dauert vom Sonnenuntergang am Freitag bis zum Sonnenuntergang samstag.

Der Einfluss von Ellen G. White

WhiteWie unter Historische Entwicklung bereits erwähnt, war Ellen G. White eine der Mitbegründerinnen der Gemeinde der Siebenten-Tags-Adventisten. White war überzeugt, dass aufgrund des bisherigen Nichteinhaltens des Sabbats die von Miller prophezeite Wiederkunft Christi verschoben wurde bzw. dass Jesus nur unsichtbar wiedergekehrt ist. Sie hatte seit 1844, nach der «grossen Erschütterung», erste Visionen und Offenbarungen über die angebrochene Endzeit, von welchen sie berichtete. Der Advent wird sich ihr zufolge ereignen, sobald das «wahre» Evangelium auf der ganzen Welt verkündet ist. Ihre «Zeugnisse», also ihre Visionen, welche aus über 2'000 aussersinnlichen Wahrnehmungen und prophetischen Träumen stammen, überzeugten viele Adventisten, trotz der Enttäuschung von Millers Vorhersagungen auf ihrem Glaubensweg zu bleiben. Sie sind nicht als Zusätze zur Bibel zu verstehen, sondern sollen dazu beitragen, dass «die bereits offenbarten Wahrheiten des Wortes Gottes lebendig in das Herz ein[ge]graben» werden (Weibel: 2007. Änderung LL). White verzichtete auf konkrete Terminierungen, war aber überzeugt, die Endzeit habe im Himmel bereits begonnen. Sie veröffentlichte über 50 Bücher, welche in zahlreiche Sprachen übersetzt worden sind. Somit übt sie bis heute, lange nach ihrem Tod im Jahre 1915, einen grossen Einfluss auf die verschiedensten Aspekte der Organisation der Adventisten, deren Lehre und individuelle Lebensführung aus.

Taufe

Die Taufe ist bei den Siebenten-Tags-Adventisten die Voraussetzung für eine ordentliche Mitgliedschaft in der Gemeinde. Sie erfolgt im Taufbecken oder in offenen Gewässern. Es werden offiziell nur Erwachsene getauft, d.h. Volljährige, es kommt aber auch vor, dass Minderjährige getauft werden. Die Kirche erklärt ausdrücklich, jede Taufe geschähe aus freiem Willen, jedoch gibt es Stimmen von Kritiker/innen welche auf den sozialen Druck aufmerksam machen, unter jenem eine solche Taufe stattfinden kann.
Wiederkunft Christi


Siebenten-Tags-Adventisten glauben an das baldige zweite Kommen Christi, welches seit Miller nun bereits fast seit zweitausend Jahren erwartet wird. Im Gegensatz zu Miller hüten sie sich aber vor einer konkreten Terminierung: Der Zeitpunkt sei den Menschen verborgen. Mit der Wiederkunft Christi versprechen sich die Adventisten die Endzeit und die Vollendung der christlichen Erlösung.

Gesunde Lebensführung

Da sie den menschlichen Körper als den Tempel Gottes auffassen, welcher reingehalten werden soll, geben Adventisten grosse Acht auf eine gesunde Lebensführung. Sie verzichten auf Rauschmittel und auf einige Sorten von Fleisch. Viele ernähren sich komplett vegetarisch. Zur adventistischen Bewegung gehören in diesem Zusammenhang auch an die 20 Gesundkost-Fabriken.

Religiöse Praxis

Adventistische Gottesdienste finden jede Woche am Samstag statt. Sie dauern an die zwei Stunden und sind in zwei Teile unterteilt. Zuerst bildet man Gesprächskreise und unterhält sich über die Bibel, da der Gottesdienst nebst der Begegnung mit Gott auch der Begegnung untereinander dient. In kleinen Gesprächsgruppen sollen alle Teilnehmenden die Möglichkeit erhalten, sich untereinander auszutauschen. Im zweiten Teil findet die Predigt statt, an welcher die Anbetung ein Hauptelement darstellt. Nach dem Gottesdienst wird ab und an zusammen gegessen.
Für Kinder wurde die Kindersabbatschule gegründet, wo diese auf altersgerechte Weise beim Kindergottesdienst ehrenamtlich betreut werden. Es werden ihnen u.a. Kinderbücher und weitere audiovisuelle Medien zur Vermittlung der siebenten-tags-adventistischen Lehre vorgelegt.

Besonderheiten in der Schweiz

Die Siebenten-Tags-Adventisten sind weltweit verbreitet und sind als eine der wichtigsten Sondergruppen auch in der Schweiz in grosser Zahl vorhanden. Sie machen 0.05% der Gesamtbevölkerung aus und sind somit in der zahlenmässigen Grössenordnung unterhalb der Sondergruppen der Jehovas Zeugen, der Neuapostolischen Kirche und der Mormonen einzuordnen.

Von der ersten Mission bis heute

In der Schweiz entstand 1867 die erste adventistische Gemeinde ausserhalb von Nordamerika. Der unabhängige Missionar Michael Belina Czechowski gründete jene Gemeinde in Tramelan, im bernischen Jura. Der «Import» von Sondergruppen wie neben den Adventisten auch beispielsweise der Mormonen war im 19. Jahrhundert dadurch erleichtert, dass 1848 die Niederlassungsfreiheit und später um 1874 die Religionsfreiheit galten.
Damals gab es etwas mehr als zwanzig getaufte Adventisten. Die Gemeinde der Siebenten-Tags-Adventisten ist langsam aber kontinuierlich gewachsen. Nach Eigenangaben (Stand 14.02.18) gibt es heute, ca. 150 Jahre nach der ersten Gründung auf Schweizer Boden, 4'762 getaufte Siebenten-Tags-Adventisten in der Schweiz, welche in 54 Gruppen unterteilt sind. Davon sind 32 in der Deutschschweiz und 22 im Welschland verteilt.

 

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